Titel: Synkkä maailma (Finstere Welt)
Fsk: 12/14
Warning: sad, depri
Man sollte vorher One and only gelesen haben

Ich stehe hier. Vor mir liegt die endlose Weite der Ostsee und hinter mir Helsinki.

Kann einfach immer noch nicht begreifen, dass du vor zwei Jahren einfach von mir gegangen bist. Du warst seit je her meine große Liebe und wirst es auch immer bleiben. Und ich hoffe, dass du da wo du jetzt bist auch glücklich bist, so wie wir beide es waren.

Nun stehe ich hier und lasse die Ereignisse nach deinem Tod Revue passieren.

Dieser Tag hat so gut angefangen. Zuerst brachten wir Niko in den Kindergarten und gingen anschließend zur Bank. Dann kam plötzlich ein maskierter Typ herein…ab da ging dann alles so schnell, dann hat er auf mich geschossen, weil mein Handy zu klingeln begann und du dich dann vor mich geworfen hast.

Ich weiß nicht mehr was mir in diesem Moment durch den Kopf ging, aber als du 2 Wochen darauf im Krankenhaus starbst, dachte ich die ganze Zeit: Er ist entkommen, er macht sich mit dem Geld ein schönes Leben und du…du wurdest aus dem Leben gerissen.

Wir hatten vor genau einem Monat unser zweites Kind bekommen, für uns begann ein neuer Lebensabschnitt. Wir hatten noch so viele Pläne uns stand sozusagen die Welt offen und wir beide waren bereit etwas in unserem Leben zu ändern. Doch bevor wird dies tun konnten, hast du mich verlassen.
Nie hätte ich gedacht, dass das passieren könnte, schließlich waren wir zu jung um daran zu denken. Doch es war geschehen und so verblassten all unsere träume und zerplatzen wie bunt-schimmernde Seifenblasen. Und niemand in unseren Reihen konnte so recht realisieren, was geschehen war, am aller wenigsten ich.
Am Morgen deiner Beerdigung machte ich mich und Niko fertig, und brachte Lare zur Nachbarin.

In der Kirche starrte ich wie gebannt auf deinen Sarg, konnte den Blick einfach nicht losreißen. Er war zu klein für dich, ich konnte mir nicht vorstellen, dass du darin Platz gefunden hast. Auch wenn du körperlich nicht gerade die größte warst, so war deine Persönlichkeit doch einnehmend und gleichzeitig ausfüllend, dass es einfach unmöglich schien, dich jemals in einen Sarg zu stecken.
Draußen am Friedhof, erfüllte mich dann der Schmerz, dass es nun endgültig vorbei ist, dass ich dich nur mehr auf Bildern betrachten würde und dein Lachen für immer erloschen sein wird…

„Lauri, mach keinen Mist.“ Ich drehe mich um und sehe Aki, der meinen schlafenden Lare im Arm hält. „Du weißt, dass deine Kinder dich brauchen, weil sie außer dir niemanden haben.“ Meint er ich wüsste dies nicht? Glaubt er wirklich ich lasse meine 5 und 2 jährigen Söhne einfach ganz alleine auf dieser Welt? Grund genug dazu hätte ich ja, aber ich würde keine Ruhe finden, wenn ich nicht weiß, was mit den beiden passiert, wenn ich nicht mehr da bin.

Langsam gehe ich auf Aki zu, nehme ihm Lare ab und gehe in Richtung Heimat.

Bald ist Weihnachten, noch knapp 2 Wochen. Ich habe wirklich keine Ahnung wie ich dieses Fest letztes Jahr heil überstanden habe, aber irgendwie habe ich es fertig gebracht, die Feiertage umzubringen, wegen der Kinder und besonders wegen Niko.

„Wolltest du da wirklich runterspringen?“ fragt Aki mich nach einer Weile. „Hätte ich dies dann nicht schon vor einem Jahr getan? Ich bin nicht so herzlos, dass ich die Kinder ihrem Schicksal überlasse, dafür sind sie noch etwas zu klein. Sie werden noch früh genug allein sein, glaub mir.“ „Was soll das jetzt heißen?!?!“ „Aki, in sagen wir mal ca. 50 Jahren bin ich alt, grau und vegetiere in irgendeinem Altenheim vor mich hin und weder Niko noch Lare wird mich je besuchen kommen, weil sie dann wahrscheinlich irgendwo in Amerika oder sonst irgendwo leben, aber sicher nicht mehr hier in Helsinki.“ Na vielleicht ist es ja nicht ganz so krass, aber man weiß ja nie, außerdem war das jetzt improvisiert.

Vor meiner Haustüre verabschiede ich mich von Aki, bringe den Knirps in sein Bett und sehe anschließend nach Niko, der seelenruhig mit seinem „Bruno“ und dem Hund sein Bett teilt.

Schlafen fällt mir seit langem wirklich  schwer, ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal sofort eingeschlafen bin.

Mein letzter Gedanke abends gilt dir und der erst nach dem Aufwachen auch und alle anderen dazwischen ebenfalls.
Immer wenn ich wieder lange nicht einschlafen kann, beginne ich in meinen Sachen herumzuwühlen. Und heute räume ich den Kleiderschrank auf, so viele Sachen die sowieso kein Mensch mehr braucht türm sich darin, die alle in den Müll gehören. Nur deine Sachen bleiben unberührt dort drinnen.
Ganz unten im Kasten liegt die Tasche, in der ich unachtsam all deine Sachen vom Krankenhaus nach Hause transportiert habe und danach einfach achtlos so wie sie war in den Schrank stellte.
Als ich sie sehe zieht sich mein Herz zusammen, zerspringt und zerbröckelt in all seine Einzelteile. Am liebsten würde ich die einzelnen Teile meines Herzens wieder zusammenfügen, doch sie entgleiten mir und werden von der Kälte und der Dunkelheit in meiner Seele einfach so verschlungen und ich kann wie immer nichts dagegen tun.
Ganz langsam öffne ich den Reißverschluss und begutachte den Inhalt deiner Tasche, wobei mein Blick auf deinem Tagebuch haften bleibt.
Nur zu gerne würde ich lesen, was darin steht, doch ich weiß nicht, ob du es wollen würdest, immerhin sind dies deine geheimsten Gedanken, die nur dieses Buch weiß und niemand sonst. Und doch ist die Neugier größer.

Du hast es begonnen, an dem Tag, an dem ich dich zum ersten Mal richtig küsste, nicht sehr interessant, oder doch? Nein, da war ich ja selber anwesen und du hast nur geschrieben, dass es ein unglaubliches Gefühl war.

Hättest du nicht deine Gefühle beschreiben können, damit ich genauer definieren kann, was unglaublich für dich bedeutet? Na egal, viel anders kann deine Definition davon nicht sein als meine.

Ich überspringe ein paar Einträge und lese den:

Hei Hei Tagebuch!
Gerade habe ich erfahren, dass ich ein Kind von ihm kriege. Was soll ich sagen? Es war nicht geplant, und ich wäre auch nie auf die Idee gekommen dass meine Tage deswegen ausbleiben, weil es sich da drinnen in meinem Bauch schon jemand gemütlich gemacht hat. Auch dass ich müde, kraftlos und keinen Appetit hatte schob ich auf eine Magen-Darm-Grippe. Doch ein Schwächeanfall war andere Meinung.
Ich hab dann eine Zeit gebraucht um die Nachricht zu verdauen und es Lauri zu sagen. Dennoch habe ich keine Minute überlegen müssen um zu wissen, dass ich es behalten möchte. Und auch Lauri war begeistert, ich hätte mir nie so eine Reaktion von ihm erwartet, weil er mal gesagt hat, dass er keine Kinder will. Andererseits war das auch vor mehr als 10 Jahren, da wird er seine Meinung ja ändern.
Auch wenn er das Kind nicht wollen würde, wäre es mir egal. Es ist mir auch ziemlich egal, dass es ein gänzlich schlechter Zeitpunkt ist, ein Kind zu bekommen, weil alles noch so frisch ist und wir ja noch nicht einmal beisammen wohnen und ich einfach angst habe, dass durch das Kind unsere Beziehung in die Brüche gehen könnte. Was wenn, Lauri doch nicht der Richtige für mich ist und diese Beziehung durch die Schwangerschaft nicht überleben wird? Wir uns nicht mehr lieben?
Aber dafür kann das Baby ja dann eigentlich nichts und leider würde es dann auch die Beziehung nicht retten können. Dies ist ja auch nicht seine Aufgabe, das einzige was es im Moment tun muss ist wachsen.
Pusu ja hali
Miia

Zu diesem Zeitpunkt hattest du wohl die selben Gefühle wie ich, als ich erfuhr , dass Niko unterwegs ist. Dieses Gefühl würde ich als unglaublich definieren.

Es...ich konnte damals kaum fassen, dass sich endlich mein Wunsch nach einer Familie erfüllt und dann auch noch mit dir.

Hattest du damals auch so ein schleichende Angstgefühl? Ich hatte Angst dass dir und unserem Baby etwas passieren könnte, ich euch beide verliere. Zum Glück ging alles gut und Niko war ein gesundes kleines Bürschchen. Wir waren so stolz auf unseren kleinen Schatz, was sich bis heute nicht geändert hat.

Manchmal ist es dennoch schwer, wenn Niko auf Lare eifersüchtig ist, oder umgekehrt. Es ist beinahe so als ob beide ständig meine Aufmerksamkeit wollen, die ich ihnen jedoch nicht wirklich geben kann, weil im Moment meine ganze Aufmerksamkeit dir gilt. Dem Schmerz der meinen Körper zittern, fast beben lässt und all meinen anderen Gefühle, Gedanken und Empfindungen betäubt und in den Hintergrund stellt. Nichts scheint mehr wichtig, außer du und dieser elende Schmerz.

Ich blättere weiter, du hast fast während der ganzen Schwangerschaft deine Gefühle und alles was dich beschäftigt hat aufgeschrieben, was ich jetzt aber nicht alles Lese. Nicht dass es mich nicht interessieren würde, im Gegenteil, aber langsam werde ich müde und ich muss unbedingt wissen, was du dachtest als du erfuhrst, dass ich dich betrogen habe. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte und wenn ich einen anderen Ausweg finden würde, würde ich alles zurücknehmen was ich je gesagt, oder getan habe, aber leider kann ich das nicht.

Und wenn mein Herz nicht schon in tausend kleine Stücke zerbröckelt wäre, würde es spätestens bei diesen Zeilen brechen.

Hei Tagebuch!
Heute war der wohl beschissenste Tag in meinem beschissenen Leben. Ich war heute Morgen mit Niko einkaufen, Lauri war die ganze Nacht nicht zu Hause gewesen, weil wir uns gestritten haben. Beim weg zurück in unsere Wohnung habe ich ihn küssend mit irgendeiner Tusse an einer Hauswand gelehnt gesehen. Mit irgend so einer Nutte.
Ja, ich weiß, ich sollte nicht immer gleich Urteil über jemanden fällen, wenn ich ihn nicht einmal kenne, aber es hat mich halt sehr verletzt, und in meinen Augen war sie eben eine, weil es mein Lauri ist.
Als er dann nach Hause kam, hat er nicht viel gesagt, die meiste Zeit habe nur ich gesprochen und als alles gesagt war ging er, jedoch nicht ohne mich vorher noch zu küssen.
Tränen verwischen mir die Sicht und ich frage mich andauernd warum er mir das angetan hat? Liebt er mich denn nicht?
Schon allein diese Fragen lassen mich heulen. Ich heule den Schmerz der Enttäuschung und Lauri hat mich bitter enttäuscht.
Ich denke die ganze Zeit an seine Küsse, die so zärtlich und voller Liebe waren. Die Berührungen, die so warm waren. An den Tag an dem er mir seine Liebe gestanden hat und ich die ganze Welt umarmen hätte können.
Ich habe ihm immer vertraut, hätte für ihn meine Hand ins Feuer gelegt und jetzt soll dies alles gewesen sein?
Ich weiß jetzt schon dass ich nie wieder glücklich werden kann, weil es keinen gibt der ihn ersetzen kann.
Die Liebe die ich ihm schwor, wird auf ewig bleiben und doch ist sie eine Last an der ich zu zerbrechen drohe.
Bei Lauri fühlte ich mich so geborgen, daheim, so wie ich mich bei meinen Eltern nie fühlte. Ich wollte immer weg von ihnen und zu dir. Früher hat er mich immer seinen Engel genannt.
Und was bin ich jetzt?
Was hat er aus mir gemacht?
Er hat mir meine Flügel ausgerissen und mich ohne Schutz und ohne Liebe auf die kalte, graue Welt gestoßen.
Und ich hoffe wirklich aufrichtig dass er mit seiner neuen Flamme glücklich wird. Wenn ich es schon nicht sein kann, soll wenigstens sie mit ihm glücklich werden.
Doch wenn er mich braucht werde ich für ihn da sein, aber ich weiß nicht ob ich auf ihn warte. Ich weiß nur, dass ich ihn ewig Lieben werde.

Miia

Dieser Eintrag macht mich total fertig. Ich habe dich gar nicht verdient Prinzessin. Ich wollte dich doch gar nicht so sehr verletzen, ich weiß nicht einmal wieso ich das überhaupt getan habe.

Nie wollte ich der Grund dafür sein, wieso deine Welt zerbricht, im Gegenteil ich wollte für dich die Welt sein. Doch wie immer habe ich alles falsch gemacht.

Oft genug wurde mir gesagt, dass ich zu dumm sei mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Und hatte mein Vater recht? Ich weiß es nicht, ich bin zwar ein selbst denkender Mensch, doch fällt es mir schwer mich in der Gesellschaft zurecht zu finden. Oder ist es weil ich einfach Angst habe, dass die Leute auf der Straße über mich reden, mich verurteilen, weil ich die Schuld an deinem Tod trage. Ich habe dich getötet, wenn ich nicht gewesen wäre würdest du jetzt noch am Leben sein.

Auch wenn mir alle immer sagen, ich kann nichts dafür, dass es ein „Unfall“ war, bleibt, dennoch die Schuld an mir hängen. Die anderen haben ja gut reden, sie müssen auch nicht diese schrecklichen Schuldgefühle mit sich herumtragen und das für den Rest ihres Lebens.

Sie haben auch nicht die Liebe ihres Lebens verloren und sie müssen auch nicht ständig fragen zweier kleinen Kinder beantworten, oder ihnen vorspielen man sei glücklich.

„Isä,“ kommt es von der Tür, in der klein Lare steht, „warum weinen?“ „Ich weine ja gar nicht, ich bin nur so schrecklich müde,“ lüge ich ihn an, „Aber sag mal warum schläfst du um diese Zeit noch nicht?“ Ein Blick auf die Uhr sag mir, dass es halb zwei Uhr morgens ist. Schon?

„Kann nimmer schlafen...Bei dir schlafen?“ Lare? Bei mir schlafen? Der hat sein ganzes Leben noch nie bei mir geschlafen, nicht mal als Baby, denn zu dieser Zeit brauchte ich mehr als ein kleines Kind, oder besser gesagt mehr als zwei kleine Kinder.

Obwohl mir die beiden schon sehr geholfen haben, wer weiß, wenn ich nicht für die zwei sorgen müsste, wäre ich heute schon bei dir. Oder hätte es zumindest schon einmal versucht. Denn es gibt nichts, dass ich mehr vermisse als deine Liebe.

Mittlerweile liegt Lare in meinem Bett, ganz dicht an mich gekuschelt und zittert wie Espenlaub. „Ist dir wirklich so kalt?“ frag ich ihn. Er krallt seine kleinen Finger an meinem Shirt fest, anstatt mir eine Antwort zugeben. Aber ich weiß, dass ihm mit Sicherheit nicht gerade warm ist, sonst wäre er nie zu mir gekommen.

Übermorgen fliege ich mit Niko und Lare nach Norwegen, zu deiner Großmutter. Sie ist kurz nach deinem Tod zu deinem Vater und deiner Mutter gezogen. Ich glaube, weil sie hier nichts mehr hielt und sie alles an dich erinnert. Am liebsten würde ich auch eine Auszeit von dieser Stadt, all den Erinnerungen, die nur schmerzen verursachen, nehmen. Einfach mal ein-zwei Jahre irgendwo anders hinziehen.

Trotzdem hält mich irgend etwas hier. Die Kinder denke ich.

Jedenfalls bleibe ich nicht dort, weil ich noch Geschenke für die Jungs kaufen muss und mich deine Mutter sicher nicht bei sich haben will. Was sie gegen mich hat, weiß ich nicht. Von einem Tag auf den anderen mochte sie mich nicht mehr und keiner von uns beiden wusste warum.

Ich weiß es bis heute noch nicht, unsere Vermutung, dass sie einfach nicht wollte, dass wir irgendwann zusammen kommen, ist, so glaube ich, immer noch die realste. Trotz all ihrer versuche haben wir beide es dennoch geschafft eine gemeinsame Zukunft zu haben. Eine etwas kurze Zukunft. Drei Jahre sind wirklich nicht viel. Für einige Paare sind diese auch zu lange, nur für mich waren sie viel zu kurz.

Und wenn du noch am Leben wärst, einfach nur von mit getrennt leben würdest, dann könnte es Hoffnung auf eine Fortsetzung geben, aber so kann und wird daraus nichts werden, weil du nie wieder kommen wirst.

Wenigstens sind mir die Kinder von dir geblieben, die manchmal bei mir schlafen, damit ich nicht so einsam bin.

Wie gerne wollte ich als Kind auch immer ins Bett meiner Eltern krabbeln und mich zwischen die beiden quetschen, von meinem Dad beruhigend in die Arme genommen werden – mich einmal richtig geborgen und vor allem geliebt zu Fühlen. Diese elterliche Fürsorge, die man sein ganzes Leben verspüren sollte, habe ich nie gespürt, nicht ein einziges Mal, soweit ich mich erinnern kann. Wer weiß, vielleicht war es anders als ich ein Baby war...aber eher nicht.

Meiner Schwester hat meine Mutter während der Schwangerschaft einen Teddy genäht...und mir?...Nichts.

Du wurdest wenigstens von deinem Vater geliebt, warst sein ein und alles, er hat dich auf Händen getragen, dir jeden noch so kleinen Wunsch von den Augen abgelesen. Ich fühlte mich nie geliebt von meinen Eltern, der einzige Mensch der mich je geliebt hat und dem ich all meine Liebe gab, warst du.

Andauernd habe ich Angst, dass ich den Jungs nicht genügend Beachtung schenke, weil ich mich oft allein zurückziehe und die zwei einfach gemeinsam spielen lasse. Wenn sie etwas brauchen kommen sie sowieso zu mir...denke ich halt, oder ist das falsch? Keine Ahnung, ich weiß es nicht, ich weiß auch nicht wer mir diese Frage beantworten kann, es ist mir aber auch ehrlich gesagt egal.

Mein ganzes Leben wird von Fragen bestimmt, Fragen die mir niemand beantworten kann. Denn wer kann mir schon die Frage beantworten warum die Liebe meines Lebens sterben musste? Warum ich nicht lieben darf...oder nie geliebt werden darf?

Wie sehr wünsche ich mir nur einmal – einmal würde mir schon reichen – dass mich jemand aufs Sofa drückt und zu mir sagt: „ Komm Lauri, erzähl mir doch was los ist. Glaubst du ich bin so blind und merk nicht dass mit dir was nicht stimmt.“ Vielleicht mag dies in meinem Alter albern klingen, aber mehr will ich gar nicht.

Manchmal fragt mich eines der Kinder wieso ich so traurig bin, dann sage ich ihnen immer dass alles in Ordnung ist, denn ich kann die Zwei doch nicht mit meinen Problemen belasten…

„Isä,“ zerrt Lare an meinem Shirt herum bis, ich ihn ansehe. „Angst.“ Angst? Wovor hat er jetzt Angst?

Ich nehme ihn in die Arme und streiche ihm durch seine Haare. „Wovor hast du Angst, LareZ.“

Ich nenne ihn immer LareZ, vor einiger Zeit hab ich ihn immer Larry genannt, aber Niko wollte dass ich damit aufhöre, weil er den Namen Lare lieber mag.

Viele Bekannte sage immer, wir hätten Lare nach mir benennen sollen, aber ich finde, dass dies ein komisches Gefühl wäre, immer meinen eigenen Namen zu nennen, wenn ich mit meinem Sohn spreche. Außerdem finde ich es total einfälltig, sein Kind nach den Eltern benennen.

Dann würden doch alle ihn immer mit mir vergleichen, meinen er müsse so werden wie ich. Sie sollen nicht dieselben Fehler machen wie ich, nicht vorzeitig von der Schule gehen, nur um Karriere zu machen und weg von Mathe zu kommen. Dafür habe ich sogar die Unterschrift meines Vaters gefälscht, er hätte mir nie erlaubt die Schule abzubrechen und erst recht nicht um Musiker zu werden, nicht nach alle dem was zwischen ihm und mir vorgefallen ist. Obwohl ich nicht einmal eine Ahnung habe was ich ihm getan habe, dass er mich nicht einmal als drei-jährigen richtig geliebt hat. Meine Mutter tat immer nur das was mein Vater wollte, zumindest wenn es um klein Lauri ging. Bei Hanna waren sie immer einer Meinung, aber bei mir…

Ich sollte wirklich aufhören in der Vergangenheit herumzustochern, dies bringt doch sowieso nichts, an der Vergangenheit kann niemand etwas ändern…am wenigsten ein Typ wie ich.

„Du hörst mir ja gar nicht zu“, jammert Lare und reißt mich somit aus meinen Gedanken. „Tut mir Leid kleiner…also noch mal..warum hast du Angst?“ „Dass du mich allein lässt.“ Er hat vor dem selben Dingen Angst wie ich, auch meine größte Angst ist die vor der Einsamkeit, dem totalen allein sein. „Solange du bei mir bleibst, und mich nicht alleine lässt, lass ich dich auch nicht allein, Kleiner.“

Zum Glück schläft er dann bald ein und ich finde wieder keinen Schlaf. Schön dass wenigstens der kleine Junge in meinen Armen friedlich vor sich ihn schlummert. Wenigstens einer der glücklich sein kann.

Schade dass du nie sein erstes Wort gehört hast, oder mitbekommen hast wenn er seinen ersten Zahn bekommen hat, oder seine ersten Schritte.

Warum kann es nicht so sein wie früher? Ohne dich ist Weihnachten einfach kein Familienfest. Wie soll ich Weihnachten fröhlich sein, wenn es nichts gibt, dass mich fröhlich stimmt? Woher nehme ich eigentlich jedes Mal die Kraft zu Lachen, wenn es doch tief in mir so düster aussieht?

Es geht einfach.

Das Leben rennt an mir vorbei, früher gab es Momente die so wunderbar waren, dass man sie am liebsten eingefroren hätte. Das sind die, die ewig dauern könnten, wie jene mir dir. Trotzdem wusste ich, dass diese Momente vorbeigehen werden, wie große weiße Wattewolken.

Gegen halb sechs löse ich mich von Lare und gehe in die Küche, setze mich auf einen Stuhl und lese in deinem Tagebuch weiter. Es spiegelt so viel von deinen Gefühlen wieder, die die du mir nie gezeigt hast. Wieso hast du mir nie gesagt wie sehr du an meinem ständigen Touren gelitten hast? Dann hätte ich wenigstens versucht, öfter bei dir zu sein. Aber du hast ja nie etwas anmerken lassen, du warst einfach glücklich wenn ich bei dir war.

Aber ich habe wirklich alles versucht, was mir möglich war, nur um bei dir zu sein. Aber hat das wirklich gereicht? Nein, das bisschen, dass ich zu Hause war haben mir nicht einmal gereicht, warum also hätten sie dir reichen sollen?

„Denkst du wieder an Mama?“ „Solltest du nicht schlafen?“ „Du sollst mir nicht immer mit einer Gegenfrage antworten.“ „Ja Niko, ich denke wieder an sie“, antworte ich ihm. „Du vermisst sie immer noch so wie vor 2 Jahren, oder? Und Papa…sag jetzt nicht nein, ich sehe es nämlich in deinen Augen.“ Nikos Temperament macht mich manchmal echt fertig. Naja, selber schuld bin ja auch nicht besser.

„Wenn du’s sowieso weißt warum fragst du dann,“ frage ich leicht ärgerlich. „Ja weil ich mir nicht sicher war.“ Meint er und krabbelt auf meinen Schoß und sieht mir in die Augen. „Papa, ich hab dich lieb.“ Er umarmt mich und gibt mir einen Kuss. „Das weiß ich doch“, erwidere ich.

Ich stehe auf, setze Niko auf den Stuhl und gehe ins Wohnzimmer um den Kamin anzumachen. Wieso ich dies mache, weiß ich selber nicht, habe einfach das Bedürfnis danach.

„Das nächste Mal nimmst du mich mit ins Wohnzimmer, denn du weißt genau dass ich nicht allein sein mag.“ „Wieso? Schlafen tust du ja auch alleine in deinem Zimmer, oder ist das was anderes?“ „Da schlaf ich ja, da merk ich ja nicht, dass du nicht da bist.“ War der immer schon so komisch oder bilde ich mir das jetzt nur ein?

Er sitze sich neben mich au den Boden vor den Kamin und starrt ins Feuer. „Komm wir setzen und aufs Sofa, “ sage ich nach einer Weile zu ihm. Er schüttelt den Kopf und meint, dass er lieber mit mir hier sitzen bleiben möchte und einfach nur ins Feuer starren will. Und weil ich meinen Kindern sowieso nichts abschlagen kann, bleibe ich bei ihm sitzen. Irgendetwas wird passieren wenn die zwei in Norwegen sind. Am liebsten würde ich sie ja hier bei mir lassen, aber sie wünscht sich so sehr die beiden wieder zu sehen.

Selbst Niko vermisst seien Urgoßmutter, sie könnte so einfach in das nächste Flugzeug steigen und kommen. Das geht tausendmal einfacher als wenn ich die zwei kleinen Kinder nehme und mich stundenlang voll jammern lassen muss, weil ihnen langweilig ist oder sonst irgendetwas.

In dem Fall sind Kinder das anstrengenste was es gibt, ansonsten müsste ich mich eigentlich nicht beschweren. Ich bin zufrieden mit meinen Kindern und würde sie um nichts auf der Welt tauschen wollen.

Die zwei sind alles was mir von dir auf der Welt geblieben ist, außer der Erinnerung. Die Zeit vergeht zu schnell, viel zu schnell. Mir kommt es vor als seiest du gerade erst verstorben, dabei sind es schon ganze zwei Jahre.

Vielleicht würde es mir nicht so vorkommen, wenn nicht die Kinder wären, mit Kindern vergeht die Zeit ja bekanntlich schneller…

„Wieso bist du da bei Niko und nicht bei mir im Bett?“ „Weil er mich lieber mag als dich.“ „Nein, hat er nicht,“ brüllt Lare plötzlich und das am frühen Morgen. „Doch hat er,“ meint Niko und zeigt ihm die Zunge. Vielleicht sollte ich auch mal dazwischen gehen, bevor Lare wirklich noch richtig zu heulen anfängt.

„Ich habe keinen von euch zwei lieber als den Anderen. Aber wenn ihr euch andauernd streitet mag ich euch beide bald nicht mehr.“ Kaum habe ich den Satz beendet brüllt Lare auch schon los. Ich bin nicht gerade begeistert von brüllenden Kindern, besonders nicht wen es meine eigenen sind. Und Nikos Gesichtsausdruck zu beurteile wird es nicht mehr lange dauern, bis auch er anfängt zu weinen und mir somit meine Nerven strapaziert.

Noch fünfzehn Jahre, dann bin ich zumindest eine er beiden los. Das denke ich in letzer Zeit sooft, viel zu oft.

Ich habe das Gefühl als ob ich mit den Kindern heillos überfordert bin, aber erst seit Lare laufen, sprechen und mit Niko streiten kann. Aber unbedingt loshaben wollen? Eimal habe ich wirklich ernsthaft darüber nachgedacht die beiden in ein Heim zu geben. Das war als ich Niko mit auf Tour genommen habe, aber ich bin froh, dass ich es dann doch nicht gemacht habe.

„Hast du uns eigentlich mal lieb gehabt?“ schluchzt Niko.

Wenn ich seine blauen tränennassen Augen sehe, die mich traurig und trotzdem so vorwurfsvoll ansehen, muss ich fast aufpassen, dass ich nicht auch noch zu weinen anfange und meinen Gefühlen freien lauf lasse, was ich vor den Kindern nicht tun könnte.

„Ich hab euch immer noch lieb und ich werde es auch den Rest meines Lebens tun. Glaubst du wirklich ich könnte euch zwei irgendwann nicht mehr lieb haben? Du und Lare, ihr seid alles was ich habe und alles was ich brauche. Da bleibt mir ja fast nichts anderes übrig als euch lieb zu haben.“ „Papa, ich hab dich auch lieb,“ meine Niko dann und umarmt mich.

Ich würde die Kinder um nichts auf der Welt ergeben. Wofür den auch? Geld habe ich selber genug und etwas anderes brauche ich sowieso gar nicht. Außer dir brauche ich wirklich nichts nur für dich würde ich vielleicht alles aufgeben. Aber dann würden die Jungs alleine sein und...ich weiß auch nicht. Vielleicht sollte ich einfach alles so lassen wie es ist und mir nicht immer den Kopf mit was wäre wenn Fragen zerbrechen.

„Papa, es hat geklingelt und Lare ist schon aufmachen gegangen,“ reißt Niko mich aus meinen Gedanken.

Verdammt, ich sollte die Türe Lare sicher machen, damit er sie nicht immer öffnen kann. An und für sich wäre es ja kein Problem wenn er die Türe aufmacht, aber man weiß ja nie wer draußen steht. Und ich habe ein Gefühl als ob es ein ungebetener Gast sein könnte, wer kommt sonst in aller Frühe auf besuch?

„LareZ hast du..,“ laufe ich ihm nach, wobei die Frage, die ich stellen wollte sogleich beantwortet wurde, als ich die Visage deiner Schwester sehe.

Seit dem du nicht mehr da bist läuft sie mir ständig nach. Ständig versucht sie die Kinder auf ihre Seite zu ziehen, was ihr beim Kleinen eher gelingt als beim großen, weil er sie einfach hasst, so wie ich. Sie ist wirklich nicht so ganz mein Fall, sie ist so extrem aufdringlich. Ich meine wie notgeil muss man sein, wenn sie sich kurz nach deiner Beerdigung an mich ran schmeißt.

Klar ich hab damals, als ich mich von ihr getrennt hab gesagt, dass es vielleicht irgendwann wieder klappen könnte, aber damals war ich jung und dumm. Wer konnte damals ahnen, dass sie mal so eine Schlampe werden würde? Ich jedenfalls nicht.

„Hei Schatz,“ meint sie und küsst mich links und rechts, „Ich habe frische Brötchen mitgebracht. Komm lass und frühstücken gehen.“ Sie nervt mich, merkt sie das nicht. Außerdem seit wann bin ich ihr Schatz? „Kira, ich habe keine Zeit zum Frühstücken, ich hab viel zu tun.“ Etwas bedrückt geht sie wieder in Richtung Tür. Kurz bevor sie draußen ist, nehme ich ihr aber noch die Brötchen ab, worauf sie entgeistert schaut. „Das war jetzt nicht nett vorn dir, Papa.“ „Nik hast du mich schon einmal nett deiner Tante gegenüber gesehen?“ „Nein, eigentlich nicht, aber bei der darfst du böse sein.“ „Isä darf nicht lügen, lügen ist böse, hast du gesagt.“ Wow Lare hört zu wenn ich ihm sage was gut und was schlecht ist. „Lügen ist ja auch böse, aber manchmal muss man einfach lügen, weil man einer anderen Person nicht weh tun möchte.“

Ob er es jetzt verstanden hat? Deine verdammte Schwester bringt mich in Situationen...wenn du hier wärst wäre  die Tusse sicher nie in meiner Nähe und wir wären ein kleine glückliche Familie. Dann wäre es MEINE kleine Familie, die mir keiner wegnehmen kann.

Wer hätte denn überhaupt gedacht, dass wir und einmal wieder sehen, wir heiraten und Kinder kriegen. Und ich ein Rabenvater werde.

Du erinnerst dich sicher noch an letztes Jahr, wo ich Niko und Lare zu einer Babysitterin brachte, die Niko immer, wenn er was falsch gemacht hat eine gescheuert hat. Zuerst hab ich mir immer gedacht, ich bilde mir nur ein, dass er so anders ist, als er dann etwas fallen gelassen hat und zusammengezuckt ist, als ich ihm zu Hilfe kam. Als ich dann seine geschwollenen Bäckchen sah wurde mir mit einem Schlag bewusst, warum er sich so seltsam benahm.

Es ist doch komisch, dass Jungs in seinem Alter nicht spielen, sonder nur in ihrem Zimmer sitzen und warten bis der Tag vergeht. Ich war so blind gewesen, aber damals habe ich mir geschworen, dass das nicht wieder passiert. Unsere Kinder dürfen nicht geschlagen werden und schon gar nicht wenn es nur das Kindermädchen ist. Sie hatte einfach nicht das Recht unserem Sohn weh zu tun.

A nächsten Tag mache ich nicht wirklich viel mit den Kindern. Ich mache ihnen schnell Frühstück und packe dann den Rest ihrer Sachen, wie Bruno und Schnuffi (Lares Schnuffeltuch) ein.

Die ganze Zeit frage ich mich wie ich nur so blöd sein kann und die zwei nach Norwegen, in die Nähe deiner Mutter bringen kann. Die bringt ich um, wenn sie mich nur sieht, und wenn ich dann auch noch mit den Kindern bei ihr aufkreuze, die noch dazu unter die Kategorie Kleinkinder fallen, zumindest Lare, ist sowieso alles aus. Dann heißt es nur wieder warum ich mich nicht selber um die Kinder kümmere und lauter solche Sachen eben.

Aber dass ihre Urgroßmutter sie sehen will, auf das kommt wieder keiner.

Na mir soll’s egal sein, ich gehöre sowieso nicht zu deiner Familie, genauso wie ich nicht zu meiner gehöre. So gesehen gehöre ich eigentlich nirgendwo dazu, eigentlich traurig oder?

Ob Hanna und meine Eltern manchmal an mich denken? Zu Weihnachten wenigstens?

Ist es nicht egal ob sie an mich denken? Es ist doch reine Zeitverschwendung sich über die Gedanken anderer den Kopf zu zerbrechen. Niemand weiß was ein anderer denkt. Wie denn auch? Das ist unmöglich.

Wahrscheinlich sind sie froh mich endlich los zu sein und mich nie wieder sehen zu müssen. Vielleicht existiere ich für sie auch nicht mehr. Habe ich das überhaupt jemals?

Ich nehme die Tasche der Kinder und trage sie ins Vorzier. „Papa, eigentlich will ich dich ja gar nicht alleine lassen. Ich würde viel lieber bei dir bleiben und in den Kindergarten gehen.“

Niko nimmt die Tasche und holt sich Bruno heraus, so als ob er damit das eben gesagte bestätigen wolle. Das hat er mit Sicherheit unbewusst gemacht und dennoch lässt es ihn um soviel älter wirken.

„Ich hab’s dir doch schon sooft erklärt, muss ich wirklich noch einmal?“

Ich bin es leid immer und immer wieder ein und dieselbe Frage zu beantworten. Irgendwann brauche ich auch eine Auszeit von den Kindern. Die paar Tage ohne sie wird mir sicher nicht langweilig, habe ja genug zu tun, es ist ja Weihnachten.

Seit wann genau bedeutet mir dieses Fest soviel? Es war mir doch immer egal. Es war einfach nur ein Feiertag, oder ein Tag wie jeder andere auch. Bis vor fünf Jahren, genau an diesem Tag um genau zwanzig Uhr Niko kam. Er hat mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt, besser gesagt du und er.

Ich wollte nur meine Freiheit und als ich dann euch hatte wollte ich nur, dass es euch gut geht und dass ihr glücklich seit.

Und ich hoffe dass du glücklich warst, so wie ich es mit dir war.

Wenn ich von BodØ zurückkomme Besuch ich dich, versprochen, aber zuerst muss ich den Flug mit den Nervensägen heil überstehen.

Niko allein ist schon ein Kapitel für sich, aber beide zusammen mit mir in einem Flugzeug.

Ich glaube das wird der längste Flug werden den ich je hatte. Aber hoffen werde ich noch, dass die zwei brav sind, nicht schreien und überhaupt keinen Ton von sich geben. Das wird aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht der Fall sein, weil Niko sowieso immer die Klappe offen hat und nie wirklich lange still sitzen kann.

Mir wird bei dem Gedanken alleine schon ganz anders.

Das erste was ich am Flughafen mache ist das Zeuge von den Kindern loswerden, damit ich mich voll und ganz dem widmen kann, die beiden nicht zu verlieren. Wäre ja nicht das erste Mal, und das will ich nie wieder erleben.

Dieses Gefühl der Hilflosigkeit, wenn man schon überall gesucht hat und das Kind einfach nicht zu finden ist. Beinahe hätte ich damals den Gig hingeschmissen, nur weil Nik nicht mehr da war und dann steht der Krümel doch tatsächlich auf der Bühne und starrt die Leute an. Am liebsten wäre ich einfach zu ihm hin gelaufen, hätte ihn umarmt und nie mehr losgelassen. In dem Moment wurde mir erst so richtig bewusst wie sehr ich Niko wirklich brauche.

Ich sehe mich am Flughafengebäude um, nicht wirklich viel los hier.  Mein Blick bleibt an der Stelle haften wo wir uns zum ersten Mal geküsst haben.

Heute würde ich dies alles anders machen als damals. Ich würde mich einfach früher bei dir melden, oder einfach gleich den Kontakt zu dir aufrechthalten.

Hätte ich nur schon früher auf mein Herz und mein inneres Gefühl gehört, dann hätten wir länger Zeit gehabt, viel länger. Wären länger glücklich gewesen und deine Großmutter wäre dann nicht weggezogen und ich müsste mir nicht überlegen was ich am Flughafen mit den Kindern mache.

Was mache ich jetzt wirklich mit ihnen. Man müsste für Kinder am Flughafen bestimmte Einrichtungen machen. Andererseits, wer fliegt schon mit zwei kleinen Kindern weg. Das machen sicher nicht viele ganz alleine, denn es ist verdammt schwer in einem Gebäude mit vielen Menschen, ein Kind nicht zu verlieren. Und wie es das Schicksal so will, würde ich alle beide verlieren und das ist das Letzte was ich will.

Kurzerhand entschließe ich mich mit ihnen in einen Laden zu gehen, sie irgendetwas aussuchen lassen, etwas das nicht zu teuer ist und ich es ihnen dann kaufe, außer ich überlege es mir bis dahin anders.

Was ich nicht glaube, denn bei meinen Kindern fällt mir das Wort „Nein“ einfach viel zu schwer. Wenn sie mich mit ihren großen treuen Augen ansehen und bitten und betteln, kann ich einfach nicht nein sagen.

„Isä, das da,“ meint Lare und deutet auf einen Teddy der doppelt so groß ist wie er selber. Niko und Lare haben sowieso nicht die besten aussichten, dass sie einmal groß werden, den ich bin es nicht und du warst es erst recht nicht.

„Lare wer trägt den denn dann?“ „Ich,“ sagt er stolz. „Aha, dann versuch es doch mal. Ich wette mit dir dass er dir viel zu schwer und zu groß ist,“ erklär ich ihm und drücke ihm dieses elend große Ding in seine Patschhändchen, was ihn auch sogleich unter sich vergräbt.

„Und willst du ihn immer noch?“ „Jaaa, ist gar nicht schwer,“ meint er voller Überzeugung. Auf keinen Fall kaufe ich ihm den, wer weiß, wenn er bei ihm im Bett schläft und auf ihn fällt und er darunter erstickt. Der Junge ist knapp zwei Jahre alt, hat noch sein ganzes Leben vor sich und das werde ich bestimmt nicht durch so einen hässlichen Teddy aufs spiel setzen.  „Nein LareZ such dir was anderes und vor allem kleineres.“ „Sicha?“ „Ich bin mir ganz sicher und du brauchst gar nicht versuchen mich umzustimmen.“

Ich bin total darauf gefasst, dass er gleich eine Szene anfängt, aber da habe ich mich wohl geirrt. Er meint nur OK und versucht ihn zurückzusetzen. Was ihm aber nicht recht gelingt.

Als dann alle beide etwas gefunden haben, muss ich dann zu aller erst eine rauchen. Wenn das Einkaufen mit den beiden nicht so an den Nerven ziehen würde, wäre ich wahrscheinlich schon Nichtraucher, oder auch nicht. Ich habe ja auch noch andere Nervenaufreibende Sachen zu tun und dagegen sind ein paar Stunden einkaufen die reinste Erholung.

„Du wie schauts denn bei der Oma aus,“ will Nik wissen. Gute frage, sehe ich so aus als ob ich freiwillig zu deiner Großmutter auf besuch möchte? Ich besuche meine Eltern nicht einmal, wieso sollte ich dann deinen einen Besuch ausstatten, wäre ja schrecklich deiner Mutter zu begegnen, wo ich doch Kira immer so eiskalt abserviere.

„Schatz frag mich was leichteres. Ich war noch nie dort und wenn ich da nicht hinmüsste würde ich da auch nie hinwollten.“ „Wieso nicht?“ „Weil ich etwas gegen deine Großmutter habe und sie auch gegen mich. Das ist auch der Grund warum ich dann wieder nach Hause fahre.“

Das und dass ich noch Geschenke kaufen muss. Schön darauf bedacht, dass beide gleich viele Geschenke kriegen, Niko halt eines mehr, sonst müssen sie wieder andauernd streiten.

Endlich im Flugzeug muss sich Lare in einen extra für kleine Kinder vorgesehenen Gurt auf meine Schoß setzen, was ihm natürlich gar nicht gefällt und er deshalb auch prompt schlecht gelaunt ist und mir andauernd in den Arm beißen will. „Will auch auf einem eigenen Sitz sitzen, wie Niko,“ strampelt er auf meinem Schoß herum und lässt sich einfach nicht beruhigen. Am liebsten wäre ich wieder ausgestiegen, wenn das jetzt schon so losgeht, aber das Flugzeug ist schon gestartet, darum kann ich nicht mehr raus.

Warum wollte ich noch schnell eine Familie, oder Kinder? Ruhig bleiben, ich bin ja selber Schuld, ich wollte die zwei ja unbedingt nicht du, obwohl du hast auch deinen Teil dazu beigetragen. Hast du wirklich geglaubt ich hätte nicht gemerkt, dass du heimlich verhütet hast? Ich hab nichts gesagt, weil ich genau wusste, dass du früher oder später darauf vergessen wird und es war früher als ich dachte. Wenn du einmal etwas vergiss, vergisst du es andauernd. Tja und das Ergebnis davon sitzt jetzt auf meinem Schoß. Es sitzt wirklich auf meinem Schoß ganz ruhig, seinen Kopf an meine Brust gelehnt, den Schnuller im Mund und schaut aus dem Fenster. Und Niko? Ein Blick neben mich genügt um zu wissen, dass er Bruno fest umklammert hat. Beim ersten Flug hat er mich und seinen Rucksack, in dem Bruno war, nicht mehr losgelassen. Jetzt reicht ihm mein Ärmel. Damals glaube ich auch noch zu wissen, dass er gebrüllt hat wie am Spieß...warum macht Lare das nicht? Aja, der ist ja mit den Wolken da draußen beschäftigt.

Ich lege meine Arme, dich ich verschränkt hatte um seinen kleinen Körper, worauf er gleich meine Ringfinger nimmt und den Ring herumdreht, und mich mit seinen strahlenden Augen ansieht.

„Wll mch nmme annallen,“ sagt Lare dann nach einer Weile zu mir. Soll ich das jetzt verstanden haben? „Schnuller aus dem Mund und noch mal? Glaubst du wirklich ich verstehe alles?“ Er nimmt ihn, steckt ihn mir in den Mund und sagt, dass er nicht mehr angeschnallt sein will. In diesem Moment kommt eine Stewardess um zu fragen, ob und was wir trinken wollen. Man kann sich ja vorstellen, wie sie gelacht hat als sie mich mit Lares Nuckel gesehen hat. Schaut natürlich sehr professionell aus.

Niko bestellt sich sofort eine Cola, für Lare einen Orangensaft, dann schaut er kurz mich an und ordert mir einen Kaffee. Den kann ich auch gebrauchen.

„Baver Isä,“ sagt Lare und streicht mir über die Wange. Wer von uns beiden wohl hier das Kind ist und wer wohl brav sein sollte? Den Schnuller nehme ich wieder aus dem Mund und gebe ihm wieder Lare, der sich wieder an mich lehnt.

„Papa, dein Kaffee.“

Papa, Isä, irgendwann wird ich noch wirr, der eine sagt so der andere so. Musstest du Niko unbedingt deutsch lernen? Dann würden beide Isä sagen, anderer Seits weiß ich so aber auch, wer von den beide gerade mit mir redet. Ist auch ein gewisser Vorteil. Naja, solange Niko nicht nur deutsch mit mir spricht, ist es mir egal ob er Papa oder Isä sagt.

Die Zeit im Flieger vergeht sehr schnell, viel zu schnell. Wer hätte gedacht, dass die Jungs sich so brav benehmen können. Niko musste nicht einmal auf die Toilette.

Als das Flugzeug landete sieht Niko mit etwas ängstlich an, ich weiß wie sehr er aufsteigen und landen hasst. Er ist ja mein Sohn, irgendetwas muss er ja auch von mir haben, geht doch fast nicht, dass er nur nach dir kommt.

Gleich nachdem wir ausgestiegen sind, hole ich die Tasche und stelle mich in eines der Raucherareale. Ich brauche das jetzt einfach...du weißt ja die Sucht. Es ist zwar für die Jungs nicht besonders gesund hier zu sein, aber einmal wird sie ja nicht gleich umbringen.

Außerdem gehe ich sowieso gleich wider, denn das mich die anderen Leute anstarren macht mich nervös.

Ich nehme Lare auf den Arm und greife nach Nikos Händchen und gehe mit ihnen nach draußen, wo ich ein Taxi nehme.

Es ist eine recht lange Fahrt zum Haus deiner Eltern, aber so lerne ich wenigstens BodØ kennen, die Stadt an die ich dich einst fast verlor. Somit verlor ich dich eben an eine Kugel. An einen Schuss der eigentlich mit galt...mir und nicht dir, ich müsste statt deiner Stelle dort unten liegen.

Eero hat mal zu mir gesagt, dass dies der wohl schönste Liebesbeweis war, den du mir überhaupt hättest machen können. Aber, ist dies überhaupt einer? Und wenn ja, hättest du mir nicht einen anderen machen können? Hättest du mir nicht etwas schenken können, wie andere Paare auch?

Wir sind da. Öhm...das Haus sieht...komisch aus. Etwas stört mich, der Efeu vielleicht, der die Außenwand hochkriecht? Es sieht gruselig aus, wirklich, fehlen nur noch Fledermäuse und man könnte meinen Graf Dracula persönlich lebt hier.

Niko drückt die Klingel, die beinahe wie eine Feuerwehrsirene klingt. Hier würde ich mich nie im leben wohl fühlen, im Gegenteil ich würde reiß aus nehmen.

„Lauri schön, dass du gekommen bist,“ öffnet deine Oma, der Niko sofort in die Arme springt.

Sie ist in den letzen zwei Jahren alt geworden, sehr alt. Wir werden hineingebeten, wo es nicht viel anders aussieht als draußen. Total nach dem Geschmack deiner Mutter eingerichtet, die ja einen extrem schlechten hat. Deiner Mutter würde ich nichts einrichten lassen.

„Junge, du siehst gar nicht gut aus,“ meint deine Oma zu mir. Sie ist wohl der erste Mensch seit langem, der das wirklich bemerkt. „Mir geht’s aber gut,“ lüge ich, was mir sehr schwer fällt, denn ohne sie wer weiß, würde es Lare jetzt nicht geben. „Du Lügst Lauri. Ich kenne dich lange genug um zu wissen, dass du nicht die Warheit sprichst.“

Hmm...die kennt mich wirklich zu gut, fast so gut wie du mich.

„Vielleicht sollte ich einfach auch weg von Helsinki und ganz wo anders neu anfangen. Wenn da nicht ihr Grab wäre, unser Haus, dass sie so geliebt hat, und die Kinder. Helsinki ist ihre Heimat und ich kann die zwei nicht aus ihrer gewohnten Umgebung reißen, nur weil ich nicht mehr dort Leben kann. Weil es mir weh tut, jeden Tag an sie erinnert zu werden, jeder einzelne Stein dieser Stadt verbindet eine Erinnerung mit ihr. Aber ich kann nicht weg, jetzt wo ich es endlich geschafft habe, dass Niko ohne Probleme badet und ich Lare dort laufen und sprechen beigebracht habe...All diese Erinnerungen und Dinge machen mir die Entscheidung so verdammt schwer...“ „Papa, wer ist das da,“ kommt Niko mit einem Bild zu mir gerannt. „Das...das bin ich. Mir 3, oder so? Warum hast du ein Foto von mir? Und noch dazu eines wo ich gerade mal 3 Jahre alt bin.“ „Es war Miias Lieblingsbild, und es steht schon seit Jahren immer auf meinem Kaminsims.“

Du hast ein Lieblingsbild von mir und noch dazu eines auf dem ich 3 bin? Also...das Bild mag ich auch, darauf sehe ich so fröhlich und glücklich aus. Mit dem Alter war ich also noch glücklich, denn ich glaube nicht, dass ich mich damals glücklich gestellt habe. Das kann man doch in dem Alter noch gar nicht. Kann aber auch sein, dass ich ein Naturtalent war.

Es ist irgendwie süß von deiner Großmutter welche Sorgen sie sich um mich macht. Sie hat Angst, dass ich das mit Niko und Lare nicht schaffe, anderer Seits hat sie auch wieder vollstes Vertrauen in mir, dass ich es schaffe. Und sie hat auch immer alles dafür getan, dass wie beide glücklich sind, was wir auch waren.

Sie war es auch, die mit mir sprach, als ich gar nicht zur Hochzeit kommen wollte, dich einfach sitzen gelassen hätte. Du hast mir damals so verdammt weh getan mit dieser Aktion. Ich hab mich zu Pauli geflüchtet, mich bei ihm im Gästezimmer eingeschlossen und bin tagelang nicht rausgekommen. Saß am Boden, mit mir, meinen Gedanken und der Frage: Warum? Habe ich dir nicht genug liebe gegeben? Oder war ich alleine die nicht gut genug? Wolltest du einfach nur ein Abenteuer, mit ihr, oder eine „Beziehung“, soweit man dies Beziehung nennen kann?

Jedenfalls kam, dann deine Großmutter zu mir, hat mir erzählt, wie beschissen es dir geht und warum wir beide es einfach nicht schaffen unser gemeinsames Leben in Ordnung zu bringen. Womit sie mir eine relative gute Frage stellte. Es war für uns beide wirklich schwer unser Leben in den Griff zu bekommen, es gab so viele Gründe, wegen der wir uns hätten trennen können, aber wir haben es nicht getan. Unser Liebe hat all die Rückschläge, die sie erlitt verkraftet. Hättest du dir je träumen lassen, dass uns mal so ein starkes Band verbindet, dass unsere Liebe so stark ist um die Ehe einzugehen oder bis über den Tod hinaus geht? Ich jedenfalls nicht. Hätte mir vor 10 Jahren jemand, die gesagt, hätte ich ihn als Spinner bezeichnet. In meinen Augen war eine Beziehung mit dir gar nicht möglich, deiner Mutter wegen.

Wo ist die überhaupt, ist die gar nicht zu Hause? Schade, und ich habe mich schon auf ihr blödes Gerede eingestellt. Aber mir solls Recht sein, wenn der Drache nicht da ist, brauche sie ja sowieso nicht. Das was ich brauche bekomme ich sowieso nicht und alles andere ist mir egal.

„Lauri, was ist los, du wirkst so abeisend.“ „Ich hab nur gerade an sie gedacht.....Ich war ihr total verfallen. Wenn du jedes einzelne Sandkorn zählst, würdest du nicht annähernd an das kommen, wie sehr ich sie liebte oder besser gesagt immer noch liebe.“

Ich hätte dich niemals gehen lassen sollen.

„Lauri, ich weiß, dass es schwer ist, aber du musst loslassen. Du kannst dich nicht immer an Miia klammern. Sie würde sicher nicht wollen, dass du wegen ihr leidest.“

Ist doch auch irgendwo für dich ein schönes Gefühl, dass du vermisst wirst, oder? Was würdest du bloß von mir denken, wenn ich jetzt eine andere hätte? Nach 2 Jahren, ist dies doch noch zu früh, für einen neue Liebe, außerdem kann ich dich nicht durch eine andere Frau ersetzen, dazu liebe ich dich zu sehr.

Ich fühle immer noch den entsetzlichen Schmerz in mir, der anfing als du sagtest, dass du nicht mit mir nach Hause kommen wirst und der schlimmer wurde, als meine Liebe in einem weißen Sarg begraben wurde. Seit dem ist nichts Lebendiges mehr in mir.

Ich will mich nicht neu verlieben, ich habe Angst davor. Dich vergessen zu müssen wäre das schlimmste, was ich tun müsste. Das will und kann ich nicht.

„Was macht der in meinem Haus?“ brüllt deine Mutter. Hatte ich mich wohl zu früh gefreut, dass sie nicht hier ist.

„Er hat mir nur die Kinder gebracht,“ versucht deine Oma mich zu verteidigen und die Situation zu beschwichtigen. „Ach? Schiebt er sie jetzt doch ab? Zuerst unserer Tochter mit den Kindern ihr ganzes Leben verderben und dann, wo sie nicht mehr da ist um sie um sie zu kümmern, werden sie zu uns abgeschoben, denn die Großeltern werden sich schon darum kümmern. Und das nur, damit du dich mit deinen Groupies vergnügen kannst, ohne von den Kindern, die für dich sowieso nur Last darstellen, gestört zu werden.“ „Was? Nein...ich...ich will nicht dass sie für immer hier bleiben,...Sie sollen bei mir aufwachsen, zu Hause in Helsinki.

Und glaubst du wirklich, dass ich mit Groupies...? Das habe ich noch nie getan und ich werde es auch nie tun.“ Das wäre dann ja damit gleichzustellen, dass ich dich betrügen würde, und ich hab dir doch versprochen, dass ich dies nicht mehr tun würde.

Wenn ich doch selber nur wüsste wieso ich es vor einigen Jahren nach unserem ersten richtigen Ehestreit tat, es ist mir bis heute einfach unerklärlich. Damals liebte ich dich vielleicht nicht genug. Nicht so wie vor 2 Jahren, oder so wie ich es heute tue.

Vor deiner Mutter will ich keine Schwäche zeigen, darum gehe ich bevor es passiert. Außerdem geht mein Rückflug bald und den will ich unter keinen Umständen versäumen, weil ich mein Versprechen dir gegenüber nicht brechen will.

Ich geben den Jungs einen Kuss, drücke sie ganz fest und versichere ihnen noch einmal, dass ich bald wieder komme um sie wieder abzuholen, dann verlasse ich auch schnellstem Weg die Höhle des Löwen.

Kaum wieder in Helsinki ist mein erster Weg zu dir, wie ich es versprach.

Erinnerungen spinnen ein Netz über mich. Meine Liebe hätte niemandem weh tun sollen, aber sie tat dir weh.

Unsere Leben sind schon immer in verschiedene Richtungen gegangen, keiner von uns stand wirklich lange an einem Ort. Wir beide haben alles dafür getan, dass es funktioniert, Tag für Tag.

Ich wollte für die Jungs ein gutes Beispiel sein. Ich gab damals soviel...und heute? Heute habe ich als Souvenir nur noch Wunden, Angst und Sorgen. Sorgen die auf mich warten und Ängste die mir meinen Weg zeigen. Aber ob dies die richtige Richtung ist? Gibt es die überhaupt?

Alles, was ich im Moment wirklich weiß ist, dass meine einzig wahre Liebe dort unten liegt. Du bist einfach so weit weg von mir.

Auch wenn ich versuche meine Wunden zu schließen, öffnen sie sich von Zeit zu Zeit wieder. Prinzessin nur du kannst mir helfen, den Schmerz zu heilen.

Ich werde jetzt wieder gehen, muss ja noch Geschenke kaufen.

Weihnachten, noch bevor wir die Jungs hatten, war dieses Fest uns egal. Die bedeutete es nichts und mir sowieso nicht. Es ist doch eine reine Lüge, du rufst Leute an, an die du das ganze Jahr nicht denkst und wünscht ihnen ein frohes Fest, oder schenkst ihnen etwas. Reine Heuchlerei. Mal sollte doch nicht nur an diesem einen Tag im Kalender etwas schenken, oder an jemanden denken, sondern das ganze Jahr über.

Aber egal für die Kinder würde ich jedes Fest feiern, denn sie sind das Wichtigste auf der Welt. Oder besser gesagt, sie sind meine Welt.

Vollbepackt komme ich zu Hause an, wo mich Pi fröhlich, mit dem Schwanzwedelnd begrüßt. Es ist so ruhig im Haus, wen keine Kinder schreien oder lachen, bin das gar nicht mehr gewöhnt Ruhe zu haben. Das ist mir schon fast unheimlich. Übermorgen hole ich sie ja wieder. Ist noch eine lange Zeit...aber ich muss ja sowieso noch die Geschenke einpacken und den Baum schmücken, den Hund waschen, das Haus könnte auch eine Reinigung vertragen und Kekse könnte ich backen. Letzteres könnte ich mit den Kleinen machen.

Ich beginne mit Einpacken. Endlich mal keine nervenden Kinder, die nachdem ich sie schlafen geschickt habe immer wieder kommen, weil ihnen immer etwas neues einfällt warum sie nicht schlafen können.

In Geschenke einpacken bin ich echt eine Niete. Für die paar Geschenke brauche ich echt 2 Stunden, und nur weil die Verpackung perfekt sein soll. Für unsere Kinder sitze ich aber gern länger als nötig, was ich für niemand anderen tun würde. Ist doch eigentlich egal wie die Geschenkverpackung aussieht und was es ist. Wichtig ist doch nur dass es von Herzen kommt, aber das versuche mal zwei kleinen Kinder zu erklären.

Lare interessiert sich sowieso sicher wieder nur für die Verpackung und nicht für den Inhalt. Das war bei Niko, die ersten zwei Jahre der Fall und wird bei Lare nicht anders sein.

Und für den Hund kaufe ich jedes Jahr für die Feiertage, das teuerste Hundefutter und dieses Jahr bekommt sie auch ein neues Halsband, da ihr altes überhaupt nicht mehr tragbar ist. Sieht irgendwie so aus als ob ich sie verwahrlosen würde, darum braucht sie dringend ein Neues.

Morgen werde ich dann den Baum schmücken, und mich um den Rest der Vorbereitungen kümmern. Jetzt werde ich erst einmal schlafen gehen. Meine erst Nacht allein – seit langem. Fühlt sich doch befremdend an. Ich war die letzen Jahre so gut wie nie alleine, bin diese beklemmende Einsamkeit nicht mehr gewöhnt. Heute Nacht wird keiner kommen und bei mir schlafen wollen, weil er Angst hat.

Er...die Jungs. Ob sie auch zu mir gekommen wäre? Was glaubst du hätte sie Isä oder Papa gesagt und würde sie dir ähnlich sehen`? Mehr als Niko es tut?

Naja nach Nik kann man nicht wirklich gehen, er ist mehr eine perfekte Mischung aus uns beiden. Das soll jetzt aber nicht heißen dass Lare nicht perfekt ist. Beide sind für mich einfach perfekt. Aber das denkt wohl so ziemlich jeder Vater, dennoch bestätigen Ausnahmen die Regeln.

Ich spüre wie Pi sich zu mir ins Bett legt und den Kopf auf meinen Bauch, damit ich sie besser streicheln kann. In letzter Zeit braucht sie ziemlich oft Streicheleinheiten. Vielleicht ist sie unglücklich verliebt, gibt ja genügend Hunde in der Nachbarschaft und die sind überwiegend Rüden. Ein Paradies also für eine Hundedame. Ich sollte sie sterilisieren lassen, denn mehr Hunde brauche ich nicht, die Kinder reichen schon.

Dass ich mal alleine zwei fast gleichaltrige Kinder erziehen muss, war bis lange immer einer meiner größten Ängste und jetzt, sehe ich dass es doch recht gut klappt. Bis auf ein paar Ausnahmen. Aber das verstehst du sicher. Jetzt im Moment ist meine einzige Angst, dass ich versage, auf jeder Linie.

Was mache ich wenn einer der beiden nach Hause kommt und zu mir sagt, dass er nicht mehr zur Schule gehen will und auch nicht mehr bei mir wohnen will? Weil ich ihn einenge?

Zum Glück können Jungs nicht schwanger werden. Aber über solche Sachen sollte ich mir erst in 10 Jahren gedanken machen. Oder hast du dir auch schon Gedanken über solche Sachen gemacht?
Darüber wie es weitergehen soll, sollte man sich doch schon früh Gedanken machen, aber so früh. Wer weiß was in den nächsten 10 Jahren alles passiert. Ob ich in 10 Jahren noch am Leben bin ist dann auch noch so eine Frage, bis dahin dauert es noch so extrem lange.

Am nächsten Tag werde ich erst spät Vormittags wach. Normal stehe ich immer um halb 7 – 7 auf, sobald mich halt eines der Kinder weckt. Aber da sie nicht da sind...Es ist mir viel zu Ruhig ohne sie. Diese Ruhe macht mich nervös. Die Ruhe vor dem Sturm? Welchem Sturm? Der einzige Sturm der mir einfällt ist deine Mutter. Aber was sollte ich gegen meine innere Unruhe tun, oder durch was sollte sie sie verursachen?
Etwas essen und Kaffee trinken will ich nicht, kann ich auch nicht, weil sich mein Magen extrem zusammengezogen anfühlt, als ob er einfach nur ein Klumpen wäre.

Ich gehe nach draußen und hole erst mal die Post. Wie immer nur irgendwelche Rechnungen und Reklame. Nichts wirklich wichtiges.

Außer vielleicht der eine, der extrem wichtig aussieht. Wäre sogar ein Einschreiben, muss man bei Einschreiben nicht unterschreiben? Egal Hauptsache, der Briefträger hat mich nicht geweckt. Schon lange habe ich nicht mehr so gut geschlafen. Schlafen soll ja bekanntlich äußerst gesund sein. Wenn das wirklich so ist, finde ich es unfair, dass ich sooft nicht ausschlafen kann.

Ich beginne den Baum zu schmücken, da ich morgen ja keine Zeit habe, weil ich unsere Kinder wieder abholen muss. Aber ich finde es extrem gut, dass ich endlich mal die Weihnachtsdeko anbringen kann ohne warten zu müssen, bis die zwei schlafen und es dann auch nicht sicher ist, dass sie es auch wirklich tun. Ich denke aber, dass das in ihrem Alter normal ist, vielleicht war ich auch so.

Als ich dann mit allem fertig bin, fällt mir ein, dass ich den wichtig aussehenden Brief noch gar nicht gelesen habe. Ich krame ihn unter der anderen Post hervor, öffne ihn und beginne zu lesen.

Der Inhalt des Briefes lässt mich schier verzweifeln, den deine Mutter, die mir sowieso andauernd schadet, hat das Sorgerecht für unsere Kinder beantragt und wie es aussieht auch bekommen.

Das kann sie doch nicht machen. Es ist doch nicht fair, dass sie sich einfach so unsere Kinder unter den Nagel reißt. Sie hat kein Recht dazu, außerdem kennt sie die zwei doch gar nicht, hat sich fünf Jahre einen Dreck darum gekümmert wie es ihnen geht. Er war ihr egal wie es Niko ging als du begraben wurdest.

Ich muss sofort dahin, muss den Drachen zur Rede stellen.

Was habe ich ihr bloß angetan, dass sie mich so sehr hasst? Man nimmt doch nicht einmal seinem ärgsten Feind die Kinder weg.

Sie weiß genau, dass sie mich damit am meisten trifft, das wird auch wohl der Grund dieser Tat sein.

Auf schnellstem Weg fahre ich zum Flughafen, wo ich den nächsten Flieger nach Bodo nehme, indem noch Plätze frei sind.

Der Flug dauert elendslange, länger als der mit den zweien.

Ich habe solche Angst, dass sie nie mehr mit nach Hause kommen dürfen, und ich sie nie mehr in die Arme nehmen kann.

Wie ich deine Mutter kenne, sorgt sie sicher dafür, dass ich nicht einmal das Recht auf einen Besuch bekomme. Und ich will nicht, dass Niko und Lare uns vergessen.

Es ist schon spät als ich in Bodo, vor dem Haus deiner Eltern ankomme. Wahrscheinlich schlafen schon alle, aber das ist mir egal, ich will nur meine Kinder wieder, sonst nichts.

Ich läute Sturm, bis sich deine Mutter erbarmt mir zu öffnen.

„Ich will sofort meine Kinder wieder, du hast kein Recht sie mir wegzunehmen“, komme ich gleich zur Sache.

„Die Kinder haben es hier sicher tausendmal besser als bei dir. Du bist nie zu Hause und hast überhaupt nie Zeit für die Kleinen.“

„Du verkörperst alles was Hexen in Märchen darstellen und da sollen sie es bei dir besser haben? Ich war die letzen zwei Jahre immer zu Hause, habe keine einzige Nacht auswärts verbracht, ja war sogar nicht einmal abends etwas trinken. Ich bin nicht so wie du hoffst dass ich bin, kann aber auch nicht behaupten dass ich gegenteilig bin. Aber ich gebe mir Mühe ein guter Vater zu sein und sie richtig zu erziehen und nicht zu verziehen.“

Wieso muss ich mich vor ihr immer Rechtfertigen.

Sie hat doch keine Ahnung wie es ist wenn man andauernd für alles was man macht eine Rechtfertigung ablegen muss. Ich war früher bei meinen Eltern schon andauernd eine Rechenschaft schuldig, es gab wirklich nichts was ich tat wofür ich keine abgeben musste. Das war auch einer der vielen Gründe, warum ich damals in einer Nacht und Nebelaktion abgehauen bin.

„Lauri, ich will nicht dass Miias Kinder so werden wie du. Du hast einfach zu viel Blödsinn gemacht, denk doch mal an die Aktion mit der Yacht. Oder wie oft hat dich dein Vater vom Polizeipräsidium abholen müssen? Und der Höhepunkt deiner kriminellen Vergangenheit, war auch noch, dass du mit 15 von zu Hause abgehauen bist. Willst du, dass dir das mit deinen Kinder auch passier?“

Sie hat irgendwie Recht. Wer sagt, dass einer der beiden nicht doch irgendwann so werden wird wie ich? So unbedingt möchte ich nicht einen, oder gar alle beide bei der Polizei abholen.

Also hat sie wohl doch recht? Ich bin unfähig mich um meine Kinder zu kümmern und sie richtig zu erziehen.

Ich schaue hinter deine Mutter und sehe Lare die Treppe herunter tapsen, mit seinem Schnuffeltuch. Er schaut mich an und springt mir direkt in die Arme.

„Nimmst du uns jetzt wieder mit heim?“ fragt er mich, worauf ich den Kopf schüttle.

Ich weiß nicht wirklich was ich ihm sagen soll. Auch wenn ich wollte könnte ich sie nicht mitnehmen. Mich muss doch jeder für unfähig halten, wenn sie mir meine Jungs nehmen.

Ich kann doch nichts dafür, dass ich so bin wie ich bin. Alles was mir in meinem Leben wiederfahren ist hat mich geprägt, mich zu dem gemacht was ich heute bin.

„Du und Niko müsst noch ein bisschen hier bleiben, bei euren Großeltern, weil ich ganz viel arbeiten muss. Aber wenn ich fertig bin, komme ich euch wieder holen.“

Mein Gewissen sagt mir dass ich ihn nicht anlügen hätte sollen, aber ich kann nicht anders. Es tut mir so sehr weh in anzulügen, aber noch mehr würden mich seine Tränen schmerzen.

Ich ertrage nicht wenn mein sonst so fröhlicher kleiner Schatz weint.

„Isä, wenn Niko und ich nicht daheim sind, dann findet der Weihnachtsmann uns doch nicht“, sagt er ganz leise.

„Mach dir keine Sorgen, der Weihnachtsmann würde dich überall finden“

Ich versuche mit allen Mitteln den kleinen Mann aufzuheitern, doch wie sollte ich ihm richtig Mut machen, wenn ich doch selber keinen habe.

Dann verabschiede ich mich von dem Kleinen und laufe durch den Garten zum Haupttor.

„Papa, warte,“ brüllt Niko mir nach. Anscheinend hat Lare ihn mit seinem Gebrüll geweckt.

Ich drehe mich um und schaue ihn an, wie er im Türrahmen steht und ihm die Tränen über seine Wangen kullern, wie bei seinem kleinen Bruder.

Er kommt zu mir gelaufen und umarmt mich.

„Du darfst uns nicht einfach so alleine lassen, du musst hier bleiben,“ meint er total aufgelöst.

„Wenn ich könnte würde ich das doch auch, ich würde dich und Lare auf der Stelle mit nach Hause nehmen. Aber ich darf nicht Schatz.

Aber ich verspreche dir, dass ich euch so schnell wie möglich wieder nach Hause hole. Und jetzt geh wieder zurück ins Haus, sonst wirst du noch krank.“

„Du hältst aber dein Versprechen, ich nehme dich beim Wort,“ sagt er gibt mir einen Kuss und läuft zurück ins Haus.

Ich werde mein Versprechen halten, bis jetzt habe ich alle gehalten. Auf schnellstem Weg verlasse ich diesen Ort, Alles was ich in diesem Moment will ist nach Hause, zu dir, zum Hund.

Der Hund.

Sie wird es nicht verstehen, ich verstehe es ja selber nicht.

Wie konnte ich das nur zulassen? Ihr meine Kinder zu lassen. Sie macht aus ihnen dass was ich vermeiden will. Sie sollen nicht so werden wie deine Schwester, im Gegenteil sie sollen so sein wie du es warst.

Mit Mühe drücke ich meine Tränen wieder dorthin zurück wo sie hingehören, in mein Herz. Das letzte Mal, als ich weinte, war vor zwei Jahren, an deinem Grab, seit dem zeige ich meine Gefühle nicht mehr. Wieso sollte ich denn auch, es interessiert sowieso niemanden wie es mir geht.

Außerdem ist es doch auch egal, wie ich mich fühle, es ist egal dass sich der Lauri Ylönen, der sich in er Öffentlichkeit zeigt, von dem Inneren total unterscheidet.

Als ich zu Hause bin, lasse ich mich traurig auf die Couch nieder, betrachte den aufwändig geschmückten Weihnachtsbaum. Es ist bereits fünf Uhr morgen, am 24. Dezember. Und ich sitze hier, allein, traurig, wie eigentlich immer und fühle ich wie immer von aller Welt verlassen und einsam.

Mein Blick schweift durchs Wohnzimmer und bleibt auf dem Foto am Kaminsims hängen.

Ich stehe auf und gehe zu diesem Bild, nehme es herunter und betrachte es wie so viele Male zuvor.

Es ist eines von dir, Niko und mir. Von Lare und dir existieren leider keine.

Beide lächeln wir. Zu dem Zeitpunkt war ich glücklich, mehr als du dir vorstellen kannst. Es ist eines der wenigen, auf dem wir alle drei drauf sind und eines der wenigen auf denen wir beide wirklich warm lächeln, das nicht gestellt ausschaut.

Ich hänge es wieder dorthin wo es hingehört und setze mich wieder auf das Sofa. Kaum sitze ich setzt sich auch schon der Hund neben mich und legt seinen Kopf auf meine Knie.

Irgendwann schlafen wir beide dann ein, mein Hund und ich.

Alles was vor zwei Jahren noch so unendlich, so selbstverständlich schien, ist nur noch Erinnerung. Das einzige was mir blieb ist Pi, mein einziges Überbleibsel der Vergangenheit. Sie wird hoffentlich immer da sein und mich nie alleine lassen.

Ich wollte doch nur einmal im Leben geliebt werden, liebe geben und das hatte ich auch. Doch was ist mir davon geblieben?

Erinnerungen und Fotos. Und die geben mir nichts zurück. Trotz all dem Scherz, kann ich immer noch nicht heulen.

Zu gut habe ich gelernt meine Tränen zu Unterdrücken, sie gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Als ich wach werde ist es bereits 18:30 Uhr. Die Zeit  vergeht viel zu schnell.

Ob meine Jungs schon schlafen? Wohl kaum. Nicht an Heilig Abend und schon gar nicht weil es Nikos Geburtstag ist.

Heute ist der Tag der vor fünf Jahren unser ganzes Leben umkrempelte, der Tag, der uns Niko schenkte und der an dem ich ihn wieder verlor.

Jetzt hat der 24. Dezember wieder dieselbe Bedeutung wie früher, nämlich gar keine.

Ohne Nik und Lare verliert alles an Bedeutung, was früher einst so wichtig und wunderschön war, ist jetzt unwichtig und grau. Die Welt verdunkelt sich, hört auf sich zu drehen.

Ich will aussteigen, zu dir kommen, dich endlich wieder in die Arme schließen.

Die Stille hier erdrückt mich, ich muss hier raus. Raus aus diesem traurigen und Einsamen Ort. Nach draußen frische Luft schnappen, durch die menschenleeren Straßen Helsinkis ziehen, und mich einfach ablenken.

Irgendwo in der ferne höre ich Kirchenglocken, die zur Messe läuten.
Happy Birthday pikku Niko. Jetzt gibt’s ihn schon seit 5 Jahren und ich bin nicht dabei. Ich werde bei keinem Geburtstag mehr dabei sein, nie wieder, weder bei Niko noch bei Lare.
Bald werden die zwei vergessen haben, wie es hier in Helsinki war, wie Weihnachten zu Hause bei mir war. Wie ich war, was wir zusammen gemacht haben.

Sie werden größer und älter, werden Heiraten glücklich sein, werden ihre Kindheit vergessen und somit auch uns. Von mir aus sollen sie mich ruhig vergessen, aber Niko soll sich an dich erinnern. Er hat dich geliebt, tut es immer noch.
Die Erinnerung an die Menschen die man liebt sollten doch erhalten bleiben und nicht einfach erlischen.
Du bist der wunderbarste Mensch in meinem Leben gewesen, der einzige von dem ich behaupten konnte ihn überhaupt zu lieben und einer der einzigen  denen ich wirklich vertraute.

„Verdammt Lauri hör mir endlich zu“, höre ich jemanden hinter mir brüllen. Eero.

Es ist Heilig Abend, sollte er da nicht bei seiner Familie sein, wie andere auch?

Ich drehe mich zu ihm um.

„Endlich. Ich versuche schon die längste Zeit, dir zu erklären, dass du von der Straße runter gehen sollst. Diese Ampel ist nämlich nicht ewig grün. Außerdem, was machst du überhaupt hier?“

Ich stehe auf der Straße? Ja wirklich.

Ich mache ein paar Schritte auf Eero zu, der plötzlich irgendwas von Ampel, Auto und Kreuzung brüllt. Keine Ahnung was er damit meint, ich hab nämlich kein einziges Wort von dem was er sagte verstanden.

Das einzige, das ich mir in dem Moment denke, ist dass er spinnt. Dann höre ich etwas und drehe meinen Kopf zur Seite und sehe ein Auto auf mich zu kommen. Unfähig mich zu bewegen bleibe ich einfach stehen und werde kurz darauf von dem Auto erfasst.

Alles was ich dann noch höre ist das quietschen der Autoreifen, Eero meinen Namen rufen und den dumpfen Ton als mein Kopf auf die  Windschutzscheibe prallt. Und ich spüre dann den kalten, nassen Straßenboden unter mir.

Mein Herz rast, und jeder einzelne Knochen in meinem Leib schmerzt. Es gibt nichts was nicht weh tut.

„Lauri,“ höre ich Eero irgendwo neben mir sagen, „komm mach die Augen auf…und sag was.“

„Was…was willst du denn…hören“, sage ich leise und versuche gegen meine Ohnmacht anzukämpfen. „Ich bin müde…mir ist kalt…und…und ich habe einen…einen ekeligen Blutgeschmack im Mund.“

„Du darfst aber nicht einschlafen, hörst du. Der Krankenwagen wird bald hier sein, halte bis dahin durch.“

„Wieso sollte ich…es…es hat doch alles keinen Sinn mehr.“

„Was meinst du damit? Du hast zwei kleine Kinder die dich brauchen und du, du sagst dass alles keinen Sinn mehr hat? Allein wegen der Kinder müsste dein Wunsch zu leben stark sein...“

„Ja...aber das ist jetzt alles nicht mehr wichtig, Vergangenheit,  Erinnerungen an bessere Tage, “ erkläre ich ihm.

Ich spüre auf einmal keine Schmerzen mehr, weder die äußerlichen noch die die auf meiner Seele lasten. Es ist so ein schönes Gefühl von wärme und Geborgenheit. Zum ersten Mal seit langem fühle ich mich richtig gut und doch irgendwie einsam.

Hätte mich auch gewundert, wenn alles in Ordnung gewesen wäre. Denn richtig gut fühle ich mich schon lange nicht mehr. Manchmal wenn ich mit den Kindern spiele, spürte ich für einen kurzen Moment ein Gefühl von Glück, aber meist dauerte dieses nur den Bruchteil einer Sekunde, denn Schmerz und Trauer sitzen einfach noch zu tief.

Alle sagen immer, dass jede Trauer ein Ende hat, aber ich fühle nicht so als ob ein Ende naht, im Gegenteil. Ich denke sogar, dass es immer schlimmer wird.

Trauer geht ja nicht bei jedem gleich schnell vorüber, jeder Trauert auf seine Art und Weise, der eine länger, der andere eben nicht so lange. Und ich...ich versinke eben in Selbstmitleid, ja ertrinke schon fast darin.

Oft denke ich, wenn ich eines Morgens aufwache wird alles vorüber sein, mein Leben läuft wieder seinen geordneten Weg und ich werde wieder positiv denken. Irgendwann werde ich einen Neuanfang wagen, einen neuen Lebensabschnitt beginnen, ohne meine beste Freundin, meiner großen Liebe, der Mutter meiner Kinder. Ich werde froh sein, dass ich dich lieben durfte, dich kennen durfte.

Aber dazu bin ich noch nicht bereit und ich hoffe auch, dass ich es irgendwann sein werde.

Komisch, jetzt wo ich dich für immer verloren habe, weiß ich erst so wirklich wie sehr ich dich liebte und wie sehr du mir 8 Jahre lang gefehlt hat, dennoch nicht annähernd so wie jetzt. Damals wusste ich warum ich dir nicht Lebe wohl sagte, ich wusste, dass wir uns wieder sehen werden, doch jetzt kommt es mir so vor als ob ich mich nicht einmal von dir verabschiedet habe, dir noch einmal gesagt habe wie sehr ich dich liebe und wie sehr du mir fehlen wirst.

Es ist gerade so ein Gefühl als ob ich dich alleine gelassen hätte, in den letzen Minuten deines Lebens. Aber ich war die ganze Zeit über da, und du hast mich getröstet, obwohl ich eigentlich der jenige sein hätte müssen, der dich tröstet, dir gut zu redet. Du hast dich mit dem Gedanken an den Tod schon abgefunden, doch ich habe dies bis heute noch nicht.

Ob ich mich jemals wieder verlieben werde?

Die Chancen dazu stehen schlecht, denn ich werde dich immer mehr lieben als irgendeine andere Frau. Und welche Frau nimmt schon einen Mann, für den sie die ewige Zweite ist. Außerdem wären da noch Niko und Lare, ich müsste erst mal eine finden, die die Jungs auch mögen und die sie so akzeptiert wie sie sind. Und sie müsste verstehen können, dass die Kinder bei mir Vorrang haben. Das Aussehen wäre dann eher nachrangig, sie sollte jedenfalls wenn möglich nicht eingebildet sein, von solchen Frauen hab ich genug, hatte ich schon zu viele um zu wissen, dass ich damit nicht um gehen kann. Dann sollte sie nicht unbedingt Fan von mir sein, oder gar Groupie, damit würde dann mein eigenes zu Hause eine Traumawelt werden.

Aber darüber brauch ich mir im Moment keine Gedanken zu machen, so schnell geschieht das sicher nicht.

Denn im Moment bin ich nur einsam.

Einsamkeit, ich spüre sie jeden Tag, jede Nacht. Alleine bin ich auch, wenn ich unter tausenden von Menschen bin, den keiner sieht wer ich bin und wie es in mir aussieht.

Ich trage Tag für Tag eine Maske. Fröhlichkeit, Lachen, immer lustig, genau das drückt diese Maske aus. Doch darunter verbirgt sich jemand anderes, ja fast schon ein anderer Mensch.

Ein Mensch, der immer in Traurigkeit gehüllt, einsam und verlassen.

Schmerz erfahre ich fast jeden Tag aufs Neue, und es gibt niemanden der mir beisteht niemanden der mich auffängt wenn es mir schlecht geht.

Und jeden Tag aufs Neue erfahre ich neue Rückschläge.

Im Inneren bin ich zerbrochen, in tiefster Dunkelheit gehüllt. Nach innen weine ich jeden Tag, doch nach außen kann ich keine Tränen zeigen.

Ich würde alles dafür geben, wenn ich dich noch einmal in meine Arme nehmen könnte, dir sagen könnte wie sehr ich dich liebe und dass du mein ein und alles bist. Ich will dass du das weißt, du sollst wissen wie sehr du mir fehlst, und nicht nur mir, auch deinen Kindern. Ich meine Lare weiß ja nicht einmal wie du warst, was für ein wunderbarer Mensch du warst, wie du liebst, was du ihm gegeben hättest. Und das macht mich traurig. Es ist doch traurig, wenn ein Kind seine Mutter nicht kennt, einfach nicht weiß wer sie ist, sie nur von Fotos kennt. Ich hab immer gehofft, dass das meinen Kindern nie passiert und jetzt? Jetzt hatte ein Kind 3 Jahre lang eine und das andere nicht und das ist unfair.

Das Leben ist unfair, ungerecht und viel zu kurz, für manche dinge im Leben.

Dann verliere ich den Kampf gegen die Ohnmacht endgültig.

Langsam öffne ich die Augen...ich fühle mich ausgelaugt und müde. Irgendetwas halte ich in meiner rechten Hand. Es ist fühlt sich weich und plüschig an. Bruno, es muss der Teddy sein, sonst weiß ich nichts was weich und plüschig ist. Ich ziehe das Ding näher an mich ran und mein verdacht bestätigt sich, dass es der Bär ist.

Aber wie kommt der hier her...und wo ist hier? Wo bin ich überhaupt?

Es sieht beinahe so aus wie in einem Krankenhaus, die vielen Schläuche die von mir zu irgendwelchen Maschinen gehen, das andauernde gepiepse, das eines der Maschinen macht und das hässliche Weiß das dieses Zimmer ziert. Es kann also nur ein Krankenhaus sein.

Ich höre wie die Türe zu meinem Zimmer geöffnet wird, sie quietscht.

Eine Person tritt näher an mich heran, worauf ich die Augen schließe. Sie gibt mir einen Kuss auf die Stirn und sagt: „Happy Birthday“, hört sich nach deiner Großmutter an.

Happy Birthday? Es ist doch erst Dezember und nicht ende April.

Sie will gehen, doch ich halte sie am Arm fest. „Lass mich nicht allein“, war alles was ich in dem Moment von mir geben konnte. Und diese vier Worte vielen mir schwer.

„Du, du bist wach, endlich“, meint sie und ich sehe wie ihr Tränen in die Augen schießen, die sich kurz darauf einen Weg über ihr Gesicht bahnen.

„Endlich?“ bringe ich nur schwer hervor und sehe sie mit Fragenden Augen an. „Ja...endlich, du lagst fast 4 Monate im Koma.“

Ich habe 4 Monate meines Lebens einfach nur so dagelegen? 4 Monate in denn ich alles versuchen hätte können um Niko und Lare wieder zu bekommen. 4 Monate in denen meine Kinder in Norwegen bei deiner Mutter waren.

Meine Augen richten sich auf Bruno, der immer noch in meiner Rechten liegt. Jetzt weiß ich auch woher der Teddy kommt.

„Niko hat ihn mir für dich mitgegeben. Hast du eine Ahnung wie schwer es für die zwei war, als wir am 1. Weihnachttag zusammen Kinderfilme ansahen und dann bei den Nachrichten die Meldung kommt, dass du einen Unfall hattest und im Krankenhaus liegst und dein Zustand kritisch ist. Ich hab Niko noch nie zuvor so erlebt, er hat so bitterlich geweint und als Lare ihn fragte was mit dir los sei, hat er nur gesagt, dass du auch weggehst und die zwei alleine lasst wie Miia. Und dann haben beide zu weinen angefangen...keiner konnte die zwei trösten, weder ich noch ihr Großvater.“

„Es tut mir leid...ich wollte nicht, dass es soweit kommt, ich war so in Gedanken...wie in letzter Zeit so oft, dann kam dieses Auto und ab da war alles zu spät. Wenn...wenn du wieder nach Hause fährst, sag ihnen, dass es mir gut geht...und dass ich sie unheimlich vermisse.“

Dass ich sie unheimlich vermisse ist sogar noch milde ausgedrückt. Ich vergehe fast vor Sehnsucht nach meinen zwei.

Ob sie gewachsen sind, sich verändert haben? Bestimmt. Es ist lange her, dass ich sie gesehen habe, sie in meine Arme geschlossen habe. Ihnen gesagt habe dass ich sie liebe.

Aber jetzt ist es eher unwahrscheinlich, dass ich die Kinder jemals wieder sehe, da mit Sicherheit alle glauben, dass es ein Selbstmordversuch war. Ich weiß, dass es den Anschein erweckt, als ob ich mir das Leben nehmen wollte, auch weiß ich, dass mir mein Leben nicht wirklich viel wert war in letzter Zeit und die anderen wissen dass auch.

Und das wird mir eben zum Verhängnis, im Kampf um meine Kinder. Das und eben mein Beruf, das ständige Touren, nie wirklich irgendwo zu Hause zu sein, und dennoch ein eigenes Haus, Kinder und einen Hund haben, aber keine Frau, niemanden der auf die Kinder aufpasst, während meiner Abwesenheit. Meine Chancen, auf eine Wiedervereinigung meiner Familie kann ich mir somit wohl abschminken.

Vielleicht sollte ich auch nicht immer so pessimistisch denken, vielleicht traue ich mir einfach zu wenig zu. Ich werde nie wissen ob ich es schaffen würde, oder nicht, wenn ich es nicht versuche. Was habe ich schon zu verlieren, schlimmer kann meine derzeitige Situation gar nicht mehr werden. Ich habe so zusagen alles verloren was mir lieb ist, also kann es wirklich nicht mehr schlimmer werden.

Was mache ich aber, wenn meine Kinder gar nicht mehr zu mir wollen, es ihnen bei deiner Mutter besser gefällt als bei mir. Dann würde mir alles genommen...mehr als jetzt noch. Deine Mutter hat auf jeden in ihrem unmittelbaren Umfeld so einen starken Einfluss, sie polt sozusagen jeden um. Sie hat aus den Kindern sicher schon Zombies gemacht, oder sie hat aus ihnen das gemacht, was sie aus deiner Schwester gemacht hat. Und genau solche Menschen verabscheue ich.

Dennoch kann es so schlimm noch nicht sein, denn deine Großmutter hat doch gerade gesagt, dass sie mich vermissen. Vielleicht beeinflusst sie die Kinder ja doch nicht so, wie ich dachte.

Ich muss das jetzt wissen, sonst frisst es mich von innen her auf.

„Wieso kann sie eigentlich darüber bestimmen, ob ich ein guter Vater bin oder nicht“, sage ich zu mir selber.

„Sie hat eben den Beamten irgendeine schöne Geschichte aufgetischt und somit eben das Sorgerecht bekommen. Aber du kriegst sie wieder, ich weiß das.“

Deine Großmutter macht mir immer Mut, sie baut mich auf wenn ich ganz unten bin, und in letzter Zeit kann man behaupten, dass ich unten bin, ganz weit unten.

„Hilfst du mir“, frage ich zaghaft.

„Natürlich, den Anfang dafür habe ich schon gemacht...Es sind deine und Miias Kinder, und sie hätte sicher nicht gewollt, dass ihre Mutter sie großzieht und ich will das auch nicht. Sie verlangt von ihnen Sachen, die für kleine Kinder nicht machbar sind.“

Ich will das auch nicht, darum werde ich kämpfen um meine Kinder. Seien wir doch mal ehrlich, welcher Mensch würde sich schon freiwillig deiner Mutter seine Kinder zum erziehen geben? Die Frau hat sie doch nicht mehr alle Tassen im Schrank. Dann hätten wir die Tatsache dass unsere Kinder im Moment bei ihr sind und bei ihr aufwachsen.

„Ich hab sie so lange nicht mehr gesehen, wahrscheinlich würde ich sie nicht mal erkennen, wenn sie vor mir stehen.“

„Also, verändert haben Niko und Lare sich nicht wirklich. Im Gegenteil, die sehen immer noch gleich aus, sind nicht einmal ein stück gewachsen. Und wenn du die beiden nicht kennen würdest, würden sie dich kennen, oder glaubst du, dass du eine dieser Personen bist die man einfach nach längerer Zeit vergisst?“

„Nein, im Gegenteil.“

„Siehst du, und jetzt ruh dich aus, damit du bald wieder fit bist, “ sie lächelt mich an, was ich aber nicht erwiedern kann, weil mein Gesicht einfach nicht so tut wie ich will.

Warum können alle mit deinem Tod so gut umgehen, nur ich nicht? Seit du nicht mehr da bist, geht verdammt noch mal alles schief. Mein Leben gleitet mir immer mehr aus den Händen, mit jedem Tag kenne ich mich selber nicht mehr, weiß nicht mehr wer ich bin, welchen Sinn mein dasein hier fristet.

Es wird schon einen Grund geben, warum man mich so leiden lässt, ich meine Schlimmer als jetzt kann es doch auch nicht mehr kommen. Ich bin doch schon am Tiefpunkt angelangt.

Aber irgendwann wird alles wieder seinen gewohnten Lauf nehmen, es wird wieder so sein wie es in den letzen 2 Jahren war.

Denn ich habe mir für die nächste Zeit so einiges vorgenommen.

Bevor Niko in die Schule kommt, möchte ich gerne mit den beiden in Urlaub fahren, irgendwohin, wo es warm ist, und das am besten im Winter, wo es bei uns kalt ist.

Kälte macht mir ja eigentlich nichts aus, doch wenn niemand da ist der einen mit seiner Liebe wärmt, ist es doch extrem kalt.

Manchmal braucht man eben jemanden der einen in die Arme nimmt und einem sagt wie sehr man ihn liebt.

Ich habe mich in der Liebe nie sonderlich angestrengt, brachte meinen Freundinnen nie Blumen mit...und dir? Du warst mit Blumen heillos überfordert. Andere hätten ich über diese kleine Aufmerksamkeit gefreut, doch du...Du und Pflanzen, das ist eine eigene Geschichte, wenn nicht sogar Wissenschaft.

Die Türe wird abermals geöffnet. Ist mein Zimmer hier Durchzugsgebiet, oder was. Kaum geht jemand kommt jemand neues.

„Lauri?“ flüstert eine weibliche stimme meinen Namen.

Ich drehe meinen Kopf in die Richtung, von der die Stimme kommt. Mir ist diese Stimme so bekannt, doch im fahlen Krankenhauslicht kann ich nicht wirklich etwas erkennen.

„Hm?“ ist das einzige was ich von mir gebe, nur um die Person wissen zu lassen, dass ich wach bin.

„Wie geht’s dir“, will sie wissen und tritt näher.

„Hanna“, erhellt sich mein Gesicht etwas, doch die Traurigkeit meiner Augen erlischt dadurch nicht, „Naja, ich fühl mich wie von einem Panzer überrollt.“

„War aber nur ein Auto,“ meint sie und grinst.

Danach herrscht eisige stille. Ich wüsste nicht was ich mit ihr sprechen sollte, ich habe sie seit Jahren nicht mehr gesehen, genau wie meine Eltern. Doch im Gegensatz zu denen habe ich sie vermisst.

„Wieso bist du damals einfach abgehauen? Du hättest doch einfach einmal mit ihnen reden sollen, und nicht einfach weglaufen. Weglaufen ist doch keine Lösung,“ belehrt sie mich nach kurzer Zeit.

„In meinem Falle schon...Selbst wenn ich was gesagt hätte, hätten sie mir doch nie zugehört. Und hör auf damit mich zu belehren, ich bin 29 Jahre alt, ich weiß was falsch und was richtig ist. Sei lieber froh dass mein Leben danach so verlaufen ist.“

„Ja bin ich auch, aber ich habe mir sorgen um dich gemacht, du bist doch mein ein und alles. Ich hab dir mal versprochen, dass ich auf dich aufpasse, wenn es sein muss dein ganzes Leben lang, und dann bist du von heute auf morgen einfach weg, lässt alles zurück, alle Menschen die dir etwas bedeutet haben. Du hast damals so viele Menschen verletzt, mit dieser Aktion, doch am aller meisten Miia.“

Meine Hände krallen sich bei deinem Namen in das Bettlaken, kann es einfach nicht ertragen, deinen Namen zu hören. Zu hören dass ich dich unglücklich machte. Ich habs doch wieder gut gemacht, oder?

„Aber das ist jetzt auch egal, das ist über 10 Jahre her, erzähl mir lieber mal was über dich, du hast doch sicher viel zu erzählen...oder?“ entgegnet sie, als sich wieder dieses eisige Schweigen im Zimmer breit macht.

„Hmm...da gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen, zumindest nichts was nicht schon in den Medien breit getreten wurde.“

„Du kannst mir jetzt nicht erzählen, dass es da nichts gibt, was die Medien nicht wissen...Aber wenn du nicht willst, fang ich eben an...Also ich hab vor 6 Jahren geheiratet, und hab eine 4-jährige Tochter, die Sirja heißt.“

Kurz und bündig. Ich weiß nicht ob ich ihr von dir, und den Kindern erzählen soll, unsere zwei Hochzeiten, die Flitterwochen, die Tour mit Niko...meine Schwester hat recht, ich hätte da vieles zu erzählen die niemand weiß und die auch niemand zu wissen braucht.

Anderer Seits ist sie meine große Schwester und sie erzählt mir ja auch einiges, also warum sollte ich nicht? Sie wird sicher nicht zum nächsten Klatschreporter rennen und ihm das alles erzählen.

„...Lauri, hast du eigentlich noch Kontakt zu Miia,“ mit großen Augen sehe ich sie an, „...das soll dann wohl nein heißen? Jedenfalls hab ich sie das letzte Mal mit einem ungefähr 3-jährigen kleinen Jungen gesehen und ich glaube sie war schwanger, aber das ist jetzt auch schon wieder gut 2 Jahre her...ich wollte nur dass du es weißt.“

„Der Junge war damals 2, sein Name ist Niko...und ja vor gut 2 Jahren war sie schwanger, mit Zwillingen,“ antworte ich ihr und grinse dabei ein wenig.

„Woher weißt du...?“

„Weil es mein kleiner Junge war, mit dem du sie gesehen hast, und sie trug meine Babys unter ihrem Herzen.“

Jetzt blieb ihr der Mund offen stehen. Aber ich kann es ihr nicht verübeln, denn sie kennt mich ja nicht, obwohl sei meine große Schwester ist. Wir haben uns seit über 10 Jahren nicht gesehen, sie hat sich nie bei mir gemeldet und ich mich auch nicht bei ihr. Ich wollte sie zu unserer Hochzeit einladen, doch da war sie ja mit unseren Eltern in Spanien. Wahrscheinlich hatte ich sie damals auch zu spät anrufen wollen, 2 Tage vor der Trauung ist doch etwas kurzfristig.

„Du glaubst es mir nicht, oder?“ will ich wissen.

„Ich weiß nicht ob ich dir glauben schenken soll, es heißt du wärst beziehungsunfähig...“ bevor sie weiterspricht, wirft sie einen Blick auf die Uhr; „Scheiße ich muss gehen, aber ich komm später wieder zu dir, dann sprechen wir weiter.“

Und weg ist sie. Wieder bin ich alleine, diese verdammte Einsamkeit.

to be continued...

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